Kaschmir

Zwischen den Göttern

Jedes Jahr im Sommer machen sich 120.000 bis 160.000 Pilger auf den Weg nach Kaschmir, um dort das nördlichste Heiligtum der hinduistischen Welt zu besuchen: Die Höhle von Amarnath.

In dieser Höhle gibt es einen Eis-Lingam, ein Phallus Symbol, im Hinduismus ein Symbol für die Schöpfungskraft Shivas. Diese in 3950 Meter Höhe gelegene Höhle ist nur durch einen mühsamen, 32 Kilometer langen Aufstieg durch den vorderen Himalaya zu erreichen.

Vor Jahrhunderten von einem Moslem entdeckt, hat diese Pilgerreise über die Zeiten nichts von ihrem Glanz verloren, aber sie wurde gefährlicher. Im von Pakistan und Indien begehrten Kaschmir wurde die Amarnath Yatra zur Zielscheibe terroristischer Aktivitäten. Heute sichern 15.000 Soldaten die Route, und in keinem Jahr konnten Anschläge mit Todesopfern gänzlich verhindert werden. Dennoch ist die Amarnath Yatra ein großartiges Beispiel für den Brückenschlag zwischen den Religionen. Hindus wie auch Moslems der Region akzeptieren den Ort als heilig. Ein Nachfahre des muslimischen Entdeckers, der der Legende nach vor Jahrhunderten eine Begegnung mit Shiva hatte und den Hindus von der Höhle berichtete, sieht bis heute Shiva als Botschafter Gottes.
Die Dreharbeiten zum Projekt gestalteten sich durchaus schwierig. Nachdem es einen Anschlag auf ein vorbeifahrendes Auto gegeben hatte, wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt und die Sicherheitskräfte begannen plötzlich nervös auf Filmkameras zu reagieren. Nur mit viel Glück und der Mithilfe eines Offiziers, den eine UNO Schulung einst nach Wien verschlagen hat, konnten wir das bereits angefertigte Filmmaterial unbeschadet aus der Region bringen. Drei Tage nachdem wir die Region verlassen hatten, gab es einen Anschlag auf das Basislager mit 9 Todesopfern.

52 min., Digital Betacam
Drehbuch, Regie: Anita Lackenberger, Gerhard Mader
Idee, Kamera: Vijay Kutty
Produktion 2002